Aufschlagvarianten im Tennis: Slice, Kick und Flat richtig einsetzen

Die meisten Amateurspieler haben einen Aufschlag - und schlagen ihn von beiden Seiten gleich. Wer drei Varianten beherrscht und sie bewusst kombiniert, gewinnt Aufschlagspiele oft schon vor dem ersten Ballwechsel.
Die drei wichtigsten Aufschlagvarianten und wann sie wirken
Flat-Aufschlag: Tempo und flache Flugbahn. Ideal als erster Aufschlag in die Mitte (T) oder breit. Risiko: niedrige Sicherheit, hoher Spinanteil fehlt.[1]
Slice-Aufschlag: Seitlicher Spin zieht den Ball nach außen. Im Einstand-Feld breit gespielt zieht er Rechtshänder aus dem Platz - einer der wirksamsten Aufschläge überhaupt.
Kick-Aufschlag: Topspin lässt den Ball nach dem Aufprall hoch abspringen. Perfekt als zweiter Aufschlag, besonders gegen einhändige Rückhand und auf langsameren Belägen.[2]
Der praktische Unterschied liegt weniger in der Technik als im Ballwurf: flach vorne für den Flat, seitlich rechts vorne für den Slice, über dem Kopf leicht nach hinten links für den Kick (jeweils für Rechtshänder). Wer den Ballwurf nicht trennt, hat keine Varianten, sondern Zufall.
Wann welche Variante - eine Entscheidungshilfe
Erster Aufschlag im wichtigen Punkt: Slice breit, nicht Flat. Die Sicherheitsmarge ist deutlich höher und die Wirkung fast identisch, weil der Gegner aus dem Feld gezogen wird.
Zweiter Aufschlag unter Druck: Kick auf die Rückhand. Höchste Sicherheit bei erhaltener Wirkung.
Gegen einen Returnierer, der weit hinten steht: Flat oder Slice kurz auf das T - je kürzer der Ball, desto länger sein Weg.
Gegen einen Returnierer, der reingeht: Aufschlag auf den Körper. Der Standardfehler ist, in dieser Situation härter zu schlagen; wirksam ist stattdessen, dem Gegner den Platz zum Ausholen zu nehmen.
Gegen Linkshänder: Im Vorteilsfeld wird dein Slice nach außen zum stärksten Aufschlag überhaupt, weil er die Rückhand angreift und das Feld öffnet.
Platzierungsmuster, die wirklich Punkte bringen
1. Einstand-Feld: Slice nach außen, dann Vorhand inside-out auf die offene Seite. Das klassische Profimuster - funktioniert auch gegen LK 15.[3]
2. Vorteilsfeld: Kick auf die Rückhand, dann flach in die geöffnete Vorhand-Seite. Hebelt einhändige Rückhände aus.
3. T-Aufschlag als Überraschung: Wer im Vorteilsfeld nur breit aufschlägt, wird vorhersehbar. Ein flacher T-Aufschlag bringt regelmäßig freie Punkte.
4. Körperaufschlag bei 30:30: Der am meisten unterschätzte Aufschlag im Amateurtennis. Er produziert selten Asse, aber sehr viele schwache Returns - und genau die brauchst du in engen Ständen.
Wie du Varianten ohne Trainerstunden trainierst
Übe nicht 'Aufschläge', sondern Muster. Pro Trainingseinheit eine Variante isoliert (z. B. 30 Slice-Aufschläge ins Einstand-Feld), danach in Punkten umsetzen.
Zielkegel-Übung: Zwei Bälle als Marker in die Ecken des Aufschlagfelds legen. 20 Aufschläge, du zählst nur die Treffer innerhalb eines Meters um den Marker. Notiere die Zahl - nach vier Wochen hast du eine Entwicklungskurve statt eines Gefühls.
Ansage-Übung: Ein Partner ruft vor jedem Aufschlag eine Variante. Das trainiert genau die Fähigkeit, die im Match zählt: die Variante auf Abruf, nicht in Serie.
Tracke im Point by Point Journal, welche Aufschlagvarianten in welchen Situationen tatsächlich Punkte bringen - die ehrliche Antwort überrascht oft.
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Match-Check startenHäufige Fragen
Welche Aufschlagvariante sollte ich zuerst lernen?+
Den Slice-Aufschlag. Er ist technisch am einfachsten und taktisch sofort wirksam.
Brauche ich für den Kick-Aufschlag viel Kraft?+
Nein - Technik und Schlagbewegung sind entscheidender als Kraft. Wichtig ist die Beinarbeit und ein hoher Ballwurf leicht hinter den Kopf.
Wie viele Varianten sind im Match realistisch?+
Zwei sicher beherrschte Varianten reichen für eine starke Aufschlag-Taktik. Drei macht dich für jeden Gegner schwer lesbar.
Wie lange dauert es, eine neue Variante matchreif zu bekommen?+
Mit zwei bis drei gezielten Einheiten pro Woche etwa sechs bis acht Wochen bis zum ersten Matcheinsatz - und noch einmal so lange, bis du sie auch in wichtigen Punkten spielst.
Verrate ich die Variante durch den Ballwurf?+
Ja, gute Returnierer lesen den Ballwurf. Halte den Wurf deshalb in einem möglichst engen Korridor und variiere lieber Platzierung und Spinmenge als die Wurfposition.
Quellen
- ITF Coaching & Sport Science Review – Serve Variation und Spin – International Tennis Federation
- Biomechanics of the Tennis Serve – ITF Coaching – International Tennis Federation
- Brain Game Tennis – Serve-Platzierungsdaten – Brain Game Tennis
