Wie verbessere ich meinen zweiten Aufschlag unter Druck?

Der zweite Aufschlag ist ein zentraler Schlag im Tennis - und gleichzeitig der am meisten unterschätzte. Wer hier passiv wird, verliert das Match meist nicht über den ersten Punkt, sondern über die Summe der zweiten Aufschläge.
Warum der zweite Aufschlag im Amateurtennis oft Matches entscheidet
Im Amateurtennis liegen die Quoten beim ersten Aufschlag selten über 55%. Das heißt: fast jeder zweite Punkt startet mit deinem zweiten Aufschlag. Wer ihn nur sicher 'reinschiebt', schenkt dem Gegner Tempo, Position und Initiative.[1]
Der zweite Aufschlag ist damit kein Sicherheitsschlag - er ist ein aktiver Spielzug, mit dem du den Punkt eröffnest.[2]
Rechne es an einem Satz durch: Bei 40 eigenen Aufschlagpunkten und 50 % Erstaufschlagquote spielst du 20 zweite Aufschläge. Gewinnst du davon 40 % statt 55 %, sind das drei Punkte Unterschied - genau die Größenordnung, die über zwei Breaks entscheidet.
Die drei Fehlerbilder beim zweiten Aufschlag
1. Der Bremsaufschlag: Gleiche Technik wie beim ersten, nur langsamer. Ergebnis ist ein flacher, kurzer Ball ohne Spin - die beste Einladung, die du dem Returnierer machen kannst.
2. Der Angstaufschlag: Verkürzter Ausholweg, Arm führt, Beine bleiben stehen. Erkennbar an Doppelfehlern, die im Netz landen statt im Aus.
3. Der Zufallsaufschlag: Technisch okay, aber ohne Ziel. Der Ball landet irgendwo im Feld, der Gegner darf entscheiden.
Alle drei haben eine gemeinsame Ursache: fehlende Absicht. Ein zweiter Aufschlag braucht eine Variante, ein Ziel und eine Vorstellung vom dritten Ball.
Drei Hebel für einen sicheren und aktiven zweiten Aufschlag
1. Spin statt Geschwindigkeit: Ein hoher Topspin- oder Kick-Aufschlag mit 70-80% Tempo ist deutlich sicherer - und für den Returnierer trotzdem unangenehm zu treffen.[3]
2. Klare Platzierung statt Mitte: Zum Beispiel im Vorteilsfeld konsequent in die Rückhand. Im Einstand-Feld auf den Körper oder auf das T. Wer immer nur 'irgendwo rein' aufschlägt, verschenkt Druck.
3. Routine vor jedem Aufschlag: Ballprellen, Atmen, klares Bild vom Ziel. Routinen reduzieren Nervosität - genau das, was den zweiten Aufschlag im Match killt.
Technisch entscheidend ist dabei nur eine Sache: mehr Netzabstand über Spin, nicht über einen höheren Zielpunkt. Ein Kick-Aufschlag darf zwei bis drei Meter über das Netz gehen und trotzdem hinter der Aufschlaglinie hochspringen.
Trainingsplan: sechs Wochen zweiter Aufschlag
Woche 1-2 - Technik ohne Druck: 3x pro Woche je 40 zweite Aufschläge, nur Spin und Flugkurve, kein Zielfeld. Ziel ist ein konstanter Absprung nach oben.
Woche 3-4 - Zielfelder: Aufschlagfeld in drei Zonen teilen (T, Körper, außen). 40 Aufschläge, du zählst nur Treffer in der angesagten Zone. Realistisches Ziel: 60 %.
Woche 5-6 - Druck: Serien mit Konsequenz - drei Doppelfehler in Folge bedeuten Sprintlauf oder Serienabbruch. Danach Punkte spielen, in denen du grundsätzlich nur den zweiten Aufschlag nutzt.
Das entscheidende Prinzip: Im Training schlägst du 70 % zweite und 30 % erste Aufschläge. Im Match ist das Verhältnis nur deshalb umgekehrt, weil du den zweiten Aufschlag nie trainiert hast.
Was du im Match messen solltest
Drei Zahlen reichen: Doppelfehler pro Satz, gewonnene Punkte nach zweitem Aufschlag in Prozent, und wie oft der Gegner deinen zweiten Aufschlag direkt attackiert hat.
Orientierung für den Amateurbereich: unter 5 Doppelfehler pro Match ist unauffällig, über 40 % gewonnene Punkte nach zweitem Aufschlag ist solide, über 50 % ist gut.
Im Point by Point Journal trackst du diese Werte über mehrere Matches - so siehst du, ob der zweite Aufschlag dein Match wirklich kostet oder ob das Gefühl täuscht.
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Match-Check startenHäufige Fragen
Wie viele Doppelfehler pro Match sind okay?+
Im Amateurtennis sind 3-5 Doppelfehler pro Match normal. Über 8 wird kritisch - dann ist der zweite Aufschlag eines deiner Hauptprobleme.
Soll ich einfach beide Aufschläge gleich schlagen?+
Nein. Das senkt deine Erstaufschlagsquote drastisch. Besser: zweiten Aufschlag systematisch mit Spin sicherer machen.
Hilft ein Kick-Aufschlag wirklich?+
Ja, besonders gegen Gegner mit einhändiger Rückhand. Der Ball springt hoch ab und nimmt dem Returnierer Tempo und Komfortzone.
Was mache ich, wenn der Gegner immer reingeht?+
Zielwechsel statt Tempoerhöhung: einen zweiten Aufschlag bewusst auf den Körper. Wer weit im Feld steht, hat gegen Körperbälle kaum Platz für den Schwung.
Wie schnell verbessert sich der zweite Aufschlag?+
Die Sicherheit über Spin ist in vier bis sechs Wochen spürbar, die Wirkung unter Matchdruck braucht eine ganze Saison. Der Grund ist nicht Technik, sondern Vertrauen.
Quellen
- Brain Game Tennis – Serve- und Second-Serve-Analysen – Brain Game Tennis (Craig O'Shannessy)
- International Journal of Performance Analysis in Sport – Aufschlagleistung und Punktgewinn – Taylor & Francis
- Biomechanics of the Tennis Serve – ITF Coaching – International Tennis Federation
