Return-Positionierung im Tennis: Wo du wirklich stehen solltest

Tennisspielerin in weißem Outfit steht tief in der Return-Position am Grundlinienbereich eines roten Sandplatzes, während die Gegnerin im Hintergrund den Aufschlag ausführt.

Die meisten Spieler stehen beim Return immer gleich - meistens zu weit hinten. Wer seine Return-Position bewusst variiert, bricht Aufschlagspiele häufiger, ohne besser zu returnieren.

Drei Grundpositionen beim Return

1. Tief hinter der Grundlinie (1-2 Meter zurück): Mehr Zeit, mehr Sicherheit, aber kaum Druck. Sinnvoll gegen sehr schnelle Erstaufschläge.

2. An der Grundlinie: Standardposition. Du kannst den Ball früh nehmen, ohne zu hetzen.

3. Innerhalb der Grundlinie: Maximaler Druck. Vor allem gegen zweite Aufschläge - du nimmst dem Gegner Zeit und Komfort.[1]

Der Effekt ist rein geometrisch: Jeder Meter, den du nach vorne gehst, nimmt dem Aufschläger rund ein Zehntel Sekunde Reaktionszeit - und dir genauso viel. Deshalb funktioniert die vorgezogene Position nur mit verkürztem Ausholweg.

Die zweite Dimension: seitliche Position

Fast alle Ratgeber sprechen nur über vor und zurück. Im Amateurtennis entscheidet die seitliche Position oft mehr, weil die meisten Aufschläger ein klares Lieblingsziel haben.

Faustregel: Stelle dich so, dass du deinen stärkeren Grundschlag auf dem wahrscheinlichsten Aufschlagziel hast. Wenn dein Gegner im Vorteilsfeld dreimal hintereinander nach außen aufgeschlagen hat, darfst du einen halben Meter nach außen rücken - selbst wenn das die Mitte scheinbar öffnet.

Diese Verschiebung ist keine Vorwegnahme, sondern Statistik. Ein Gegner, der 80 % seiner zweiten Aufschläge in dieselbe Ecke spielt, hat dir die Entscheidung bereits abgenommen.

Wann du wo stehen solltest

Gegen den ersten Aufschlag: Position nach Aufschlagqualität wählen. Schnelle Knaller? Einen Schritt zurück, Ziel ist Tief-Block. Mittelmäßiges Tempo? Auf der Linie, aktiv attackieren.

Gegen den zweiten Aufschlag: Konsequent reingehen - 1 bis 2 Meter innerhalb der Grundlinie. Wer hier passiv bleibt, schenkt dem Gegner ein freies Aufschlagspiel.[2]

Auf Sand: tendenziell weiter zurück, weil der Ball langsamer wird. Auf Hartplatz und Halle: aggressiver positionieren.

Gegen einen Kick-Aufschlag: entweder deutlich früher rein und den Ball vor dem Hochspringen nehmen, oder klar zurück und den Ball im absteigenden Ast treffen. Die Mittelposition ist die einzige, die dabei sicher nicht funktioniert.

Das Return-Ziel ist wichtiger als der Return-Schlag

Ein tiefer Return in die Mitte ist im Amateurtennis in den meisten Fällen die beste Option: Er nimmt dem Aufschläger jeden Winkel für den dritten Ball und produziert kaum Fehler.

Winkel spielst du nur, wenn du den Ball vor der Grundlinie triffst. Alles andere ist ein Fehler mit Anlauf.

Beim zweiten Aufschlag lohnt sich ein festes Ziel für die gesamte Partie - meist die Rückhand des Gegners. Wer bei jedem Return neu entscheidet, verliert genau die Zehntelsekunde, die der Schlag braucht.

Die taktische Variante: Position bewusst wechseln

Stehe beim ersten Aufschlag etwas weiter hinten, bewege dich beim zweiten schnell nach vorne - der Gegner sieht den Sprung und spürt den Druck schon vor dem Aufschlag. Viele zweite Aufschläge werden dadurch zaghafter oder enden im Doppelfehler.[3]

Notiere im Point by Point Journal nach jedem Match, mit welcher Return-Position du wie viele Returnpunkte gewonnen hast - das macht aus Bauchgefühl messbare Strategie.

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Häufige Fragen

Soll ich die Position innerhalb eines Spiels wechseln?+

Ja - vor allem zwischen erstem und zweitem Aufschlag. Bei Aufschlägern, die sehr lesbar sind, kannst du auch innerhalb eines Aufschlags die Seite vorziehen.

Macht ein Chip-Return Sinn?+

Ja, besonders aus der vorgezogenen Position gegen den zweiten Aufschlag. Tief und mit Slice zurück - du übernimmst sofort den Ballwechsel.

Hilft Return-Training?+

Sehr. Aber wichtiger als Schlagvolumen ist Positionstraining - bewusst dieselbe Aufschlagvariante aus drei verschiedenen Positionen returnieren.

Welche Returnquote ist realistisch?+

Im Amateurbereich ist es ein gutes Ziel, mindestens 70 Prozent der Returns überhaupt ins Feld zu bringen. Diese Quote gewinnt mehr Spiele als jeder spektakuläre Return-Winner.

Soll ich beim Return einen Split-Step machen?+

Ja, unbedingt - und zwar in dem Moment, in dem der Aufschläger den Ball trifft. Ohne Split-Step nützt die beste Position nichts, weil du aus dem Stand startest.

Quellen

  1. Brain Game Tennis – Return-Statistiken und PositionierungBrain Game Tennis (Craig O'Shannessy)
  2. ITF Coaching – Return of ServeInternational Tennis Federation
  3. International Journal of Performance Analysis in Sport – Return-Position und PunktgewinnTaylor & Francis
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